Motivationsschreiben verfassen

1. Worum geht es?

Für die Bewerbung an einer Universität sollst du ein Motivationsschreiben erstellen?

Diese Aufgabe bereitet dir Kopfzerbrechen. Du fragst dich: "Warum will ich Skandinavistik an der Uni-Cottbus studieren?"

Den allerwenigsten fällt dazu eine Begründung ein, die man sich aufzuschreiben trauen würde.

Der folgende Text wäre ehrlich:

"Ich will keine Berufsausbildung machen, weil ich auch nicht wüsste, in welchem Beruf. Meine Eltern wollen, dass ich studiere und irgendetwas muss ich ja machen. Für Psychologie, was mich am ehesten interessieren würde, reicht meine Abiturnote nicht und in Cottbus befindet die einzige Uni in Deutschland, bei der in Skandinavistik noch eine Chance auf einen Studienplatz besteht."

Die Gründe, weshalb man ein Studienfach aufnimmt, sind immer dieselben: Man sieht in diesem Fach die besten Chancen für einen selbst – ganz gleich in welcher Hinsicht. Das ist trivial.

In einem Motivationsschreiben geht es nicht darum, die Gründe für deine Entscheidung darzulegen. Worum geht es in Wahrheit?

Um ein eindrucksvolles Motivationsschreiben zu verfassen, ist es zweckmäßig, sich in die Perspektive des Lesers hineinzuversetzen: in ein Mitglied der Prüfungskommission der Universität oder Hochschule. Stelle dir vor, du wärst von der Universität damit beauftragt, künftige Studierende auszuwählen, die das Studium voraussichtlich erfolgreich absolvieren werden (angenommen, das Motivationsschreiben sei das einzige Auswahlindiz). Aus dieser Perspektive erscheint es recht einfach, Kriterien zu formulieren, um die Bewerbungen dem "Ablehnen"- bzw. auf dem "Aufnehmen"-Stapel zuzuordnen. Nämlich:

1. Es muss ein ehrliches Interesse am Fach deutlich werden.

  • Denn ohne Interesse ist die Wahrscheinlichkeit eines Studienabbruchs groß.

  • Bei geringem Interesse ist die Abbruchwahrscheinlichkeit ebenfalls hoch, eher niedrige bis mittlere Leistungen sind erwartbar.

2. Der Bewerber sollte sympathisch erscheinen.

  • Spinner oder Angeber haben Schwierigkeiten, sich den Gepflogenheiten an der Uni anzupassen.

  • Kein Prof hat Lust, mit schrägen Vögeln oder Selbstüberschätztern zusammenzuarbeiten, die kaum mehr lernfähig sind, weil sie sich bereits für genial halten.

3. Der Bewerber sollte sich sprachlich ausdrücken können und (zumindest als Muttersprachler) fehlerfrei Deutsch schreiben können.

  • Wer seinen Text nicht einmal korrekturlesen lässt, scheint nur wenig Arbeit in eine Bewerbung investieren zu wollen.

  • Die investierte Mühe beim Motivationsschreiben erscheint als fragwürdiger Vorgeschmack auf alle weiteren Leistungen.

Um andere Informationen geht es nicht! Es geht um die Aufnahme eines Studiums; nicht um die Bewerbung für einen Geschäftsführerposten oder den Nobel-Preis. Auch nicht darum, dass du Cottbus für die schönste Stadt Deutschlands hältst, was dir ohnehin kein Mensch glauben würde.

Kurzgefasst: Folgende Informationen sucht der Leser in deinem Motivationschreibens.

1. Welche Verbindung hat der Bewerbende zum Studienfach? (Grundlage seiner Entscheidung)

2. Was für ein Mensch ist er/sie? (Persönlichkeitsmerkmale)

Die Botschaft deines Motivationsschreibens

Dein Motivationsschreiben hat die alleinige Funktion hinsichtlich dieser beiden Fragen eine klare und positive Botschaft zu transportieren.

Stelle dir vor, du hast als Prüfer gerade das Motivationsschreiben von Gustav gelesen. Ein Kollege fragt dich daraufhin: "Und? Was ist das für einer?"  Was du deinem Kollegen jetzt in einem Satz antwortest – genau das ist die Botschaft. Zum Beispiel: "Gustav macht das schon jahrelang, wirkt intelligent und scheint Witz zu haben."

Klar. Schlecht wäre es, wenn die übermittelte Botschaft so lautete: "Gustav scheint ein ziemlicher Wirrkopf zu sein, wirkt etwas arrogant. Schwer zu sagen, ob das mit den angeblichen Erfahrungen überhaupt der Wahrheit entspricht."

Also: Überlege dir, welche Botschaft du transportieren möchtest. Formuliere diese für dich vorher wörtlich.

Die Botschaft sollte allerdings zu dir passen. Bedenke: Es gibt Alternativen zu "genial", "jahrelange Erfahrung" oder "superintelligent".

Hier ein paar Beispiele:

  • Ich habe das Fach erst durch ein kürzliches Ereignis kennengelernt. Seitdem lässt es mich nicht mehr los.

  • Ich bin eher besonnen, setze mich gedanklich viel mit Themen des Faches auseinander.

  • Ich habe mich schon in der Schule besonders für dieses Fach interessiert.

  • Ich bin ein Organisationstalent.

  • Ich habe mich in meiner Freizeit viel mit dem Fach beschäftigt.

  • Ich bin sozial sehr engagiert.

  • Ich kann mich für alles begeistern, für das spezielle Fach aber ganz besonders.

Beachte: Diese Botschaften werden in deinem Motivationsschreiben niemals wörtlich formuliert. Sie sind der Subtext. Auf der sprachlichen Oberfläche beschreibst du die Sachverhalte, die den Leser von selbst zu dieser Botschaft führen. Deswegen sind ausformulierte Botschaften wie "ich bin leistungsfähig, teamfähig und intelligent" absolut Tabu. Der Subtext solcher Aussagen lautet: "Der Bewerbende stellt unbelegte Behauptungen auf und ist sich nicht bewusst, wie abstoßend solche Selbstbeweihräucherungen wirken."

2. Wie setzt man das um?

Schreiben ist eine Kunst. Das wird dir vielleicht jetzt erstmals bewusst. Denn jetzt musst du mir wenigen Worten (höchstens eine Seite) deine Persönlichkeit als positiv präsentieren und dein ehrliches Interesse am Fach darlegen.

Vorsicht! Informationen zu deinem Werdegang werden bereits in deinem Lebenslauf aufgelistet. Dein Motivationsschreiben ist nicht der Ort, an dem du diese Ereignisse als Fließtext aufzählst. Das menschliche Gehirn ist nicht für mehr als ca. 3 – 4 unabhängige Informationen gemacht. Mehr Informationen können nur gespeichert werden, wenn sie zu einer schlüssigen Geschichte verbunden werden.

Die Entwicklung deiner Eignung muss sich wie eine schlüssige Geschichte lesen.

In der Geschichte kannst du Fakten mit konkreten Ereignissen und emotionalen Bezügen verbinden. Damit erreichst du dreierlei:

  • du zeigst deine Berührungspunkte zum Fach auf,

  • du belegst diese, so dass sie nicht als erfunden wirken,

  • du kannst deine Begeisterung glaubhaft machen.

Worin manifestiert sich dein Interesse am Fach?

  • in der Dauer der Auseinandersetzung

  • in der Intensität der Auseinandersetzung

  • in freiwilligen (fachbezogenen) Aktivitäten

  • in eigenen Überlegungen zum Fach

Wichtige Grundsätze

Keine Andeutungen

Keine allgemeinen Aussagen